Neurowissenschaften werden Ihre Politik nicht reparieren

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Verknüpfungen sind der Standardmodus des Gehirns. Es hasst es, Energie zu verschwenden. Also raten wir. Wir wurschteln Entscheidungen im unbewussten Dunkel, weil die Berechnung aller Ergebnisse metabolisch zu aufwändig ist. Das ist vielleicht der Grund, warum wir hübsche kleine Boxen für den Geisteszustand der Menschen lieben. Auch wenn die Boxen falsch sind.

Nehmen wir das Erwachsensein. Was zählt? Eine Nation sagt sechzehn. Ein anderer besteht auf einundzwanzig. Die Lücke ist wichtig. Wir behandeln Kinder wie zerbrechliche Dinge und Erwachsene wie voll geladene Kanonen. Einige Politiker wollen diese Lücke mithilfe der Wissenschaft schließen. Speziell die Bildgebung des Gehirns. Sie wollen, dass die Politik vor der Verhängung von Strafurteilen oder der Übergabe eines Autoschlüssels den „Reifegrad“ prüft. Es gibt einen weit verbreiteten Mythos, dass die Entwicklung des Gehirns mit fünfundzwanzig Jahren abgeschlossen ist. Falsch. So funktioniert das nicht. Gehirne reifen nach völlig unterschiedlichen Zeitplänen heran. Es gibt keine einzige Kennzahl für „erledigt“.

Die Neurowissenschaften sind jedoch nicht nur gezwungen, das Erwachsensein zu definieren. Schauen Sie sich Autismus an. Einige Forscher wollen eine neue Bezeichnung: schwerwiegender Autismus. Es würde die Menschen nach IQ, Sprachfähigkeit und Pflegebedarf sortieren. Das Ziel? Um die Finanzierung der Schwächsten sicherzustellen. Hört sich gut an, oder? Der Haken ist Ausgrenzung. Wer den strengen Cut-off verpasst, bleibt auf der Strecke. Schlimmer noch, es könnte eine stumme Person mit einem brillanten Verstand direkt neben eine Person mit einer kognitiven Beeinträchtigung stellen. Andere Neurologie. Unterschiedliche Bedürfnisse. Gleiche bürokratische Akte.

Dann ist da noch das Gerichtsdrama. Psychopathie wird oft als fundierte Wissenschaft dargestellt. Richter hören sich Profiling-Studien wie Gospel an. Manchmal dient es als Abhilfemaßnahme. Warum verwirrt das eine solide Strafverfolgung? Es bringt keine Klarheit. Es trübt sie. Psychopathie ist ein sich entwickelndes Gerüst, keine biologische Konstante, die man aufschneiden und beweisen kann. Neuere Forschungen geben zu, dass es unsicher ist. Es als Tatsache zu verwenden ist gefährlich.

Wir wollen aufgeräumte Kisten. Es ist natürlich. Die Zukunft könnte uns tatsächlich genaue Aussagen über den kognitiven Zustand einer Person liefern. Vielleicht.

Allerdings noch nicht. Wir sind nicht da. Die Wissenschaft ist nicht bereit zu urteilen.