Es sieht aus wie Archivmaterial. Dieses körnige, handgeführte Chaos, der starke Schwarz-Weiß-Kontrast, die Art und Weise, wie die Kamera einfach im Raum zu existieren scheint, anstatt ihren Blickwinkel zu bestimmen. Man könnte schwören, dass man Wochenschauen aus der Mitte der 1960er-Jahre gesehen hat. Das bist du nicht.
Die Schlacht von Algier ist eine Meisterklasse der Täuschung. Unter der Regie von Gillo Pontecorvo ahmte diese italienisch-algerische Koproduktion aus dem Jahr 1966 nicht nur den Stil eines Dokumentarfilms nach; es hat es perfektioniert. Es bleibt die herausragende Errungenschaft von Pontecorvos Karriere und ein entscheidender Beitrag zu Kriegsfilmen des Cinéma vérité. Jedes Bild wurde von Pontecorvo selbst mit einer 16-mm-Kamera aufgenommen. Es gab keine versteckten Einschnitte in den echten Kampf. Nur Schauspieler, Orte und schonungslose, unerschütterliche Beobachtung.
Der Film konzentriert sich auf den algerischen Aufstand gegen die französische Herrschaft und beleuchtet insbesondere den brutalen Stadtguerillakrieg von 1956–57. Es ist kein umfassendes Epos mit weiten Ausblicken. Es ist klaustrophobisch. Es sind enge Gassen. Es ist der Geruch von Kordit und Angst.
Der Aufstieg von Ali La Pointe
Im Zentrum des Sturms steht Ali La Pointe. Gespielt vom Debütdarsteller Brahim Hadjadj beginnt Ali als Kleinkrimineller und Drogenabhängiger in der Kasbah. Doch als er von der Nationalen Befreiungsfront (FLN) rekrutiert wird, verändert er sich. Er wird ein disziplinierter Soldat in einer Guerillagruppe unter der Führung von Saadi Kader (im wirklichen Leben gespielt vom FLN-Kommandeur Saadi Yacef).
Bei Alis Reise geht es nicht um Heldentum im herkömmlichen Sinne. Es geht um Überleben und Radikalisierung. Als er sich aktiv am bewaffneten Aufstand gegen die französischen Kolonialmächte in Algier beteiligt, weigert sich der Film, die Grenzen abzumildern. Die Franzosen reagieren mit systematischer Brutalität. Die FLN reagiert mit Bombenanschlägen und Attentaten. Es ist ein Teufelskreis der Gewalt, der die ganze Stadt in seinen Bann zieht.
Oberst Mathieu, gespielt von Jean Martin, ist der Anführer der französischen Aufstandsbekämpfung. Er verlässt sich nicht nur auf rohe Gewalt. Er setzt auf Aufklärung, Überwachung und den methodischen Abbau des FLN-Netzwerks. Kader und andere Anführer werden gefangen genommen. Ali La Pointe wird schließlich getötet. Die Franzosen glauben, sie hätten gewonnen.
Sie liegen falsch.
Der Film endet nicht mit einem Paukenschlag, sondern mit einem Zeitstempel: drei Jahre später. Ein neuer Aufstand bricht aus. Algerien erlangt schließlich 1962 seine Unabhängigkeit. Der Zyklus geht weiter. Der Krieg geht weiter.
Warum es echt aussieht (und warum es verboten wurde)
Die visuelle Authentizität ist so vollständig, dass viele Zuschauer zunächst glaubten, Pontecorvo hätte tatsächliches Wochenschaumaterial verwendet. Das hatte er nicht. Aber das ist der Punkt. Der Stil des cinéma vérité war nicht nur eine ästhetische Entscheidung; es war ein politisches Instrument.
Pontecorvos marxistische Neigungen blieben nicht unbemerkt. Kritiker der Rechten verurteilten den Film als antifranzösische Propaganda. Es war so umstritten, dass es in Frankreich bis 1971 verboten wurde. Fünf Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung.
Andere sahen das anders. Sie sahen eine unparteiische Darstellung der Brutalität. Pontecorvo stellte die Franzosen nicht als Cartoon-Bösewichte und die Algerier nicht als reine Heilige dar. Er zeigte die Entmenschlichung des Krieges auf beiden Seiten. Diese Nuance ist der Grund, warum der Film seit Jahrzehnten von nationalen Militärs und revolutionären Fraktionen studiert wird. Es ist eine Fallstudie zur asymmetrischen Kriegsführung. Es ist ein Handbuch darüber, wie man ein Imperium bekämpft. Und es ist eine Warnung darüber, was wann passiert





















