Super Nature von Ed Sayers, ein Dokumentarfilm aus Super-8-Film, bietet eine frische und unvorhersehbare Perspektive auf die natürliche Schönheit der Welt. Der Film, der 2026 in die britischen Kinos kommen soll, zeichnet sich durch einen einzigartigen Ansatz aus und zeigt Aufnahmen von 40 Filmemachern und Enthusiasten aus 25 Ländern, die alle im Eastman Kodak Super 8-Format von 1965 gedreht wurden.
Eine Wiederbelebung von Super 8 und eine globale Zusammenarbeit
Das Überleben des Super-8-Filmformats ist zu einem großen Teil einer kleinen, aber engagierten globalen Gemeinschaft von Filmemachern zu verdanken, die seine besondere Ästhetik zu schätzen wissen. Sayers, bekannt für seine Arbeit in Werbespots und Musikvideos, teilt nicht nur diese Leidenschaft, sondern hat auch bemerkenswerte organisatorische Fähigkeiten bewiesen. Super Nature, das auf dem London Film Festival Premiere hatte, ist ein Beweis für diese Fähigkeit und vereint vielfältige Perspektiven auf die Natur.
Jenseits „grüner“ Referenzen: Die Schönheit der Lo-Fi-Ästhetik
Während die Verleiher des British Film Institute (BFI) den umweltfreundlichen Charakter des Films hervorheben – ein weltumspannendes Projekt ohne Flugmeilen –, ist der überzeugendste Aspekt von „Super Nature“ sein visueller Stil. Super-8-Filme erzeugen ein unverwechselbares Aussehen, das durch Blendung, Streulicht, Wackeln und Farb- und Tonverschiebungen gekennzeichnet ist. Wie Sayers es ausdrückt, stellt das Format Erinnerungen dar, als ob „jemand sie für Sie gemalt hätte“. Dieser ungefilterte Look fühlt sich authentischer an als die polierte Perfektion, die man oft in herkömmlichen Naturdokumentationen sieht, da er die Unvollkommenheiten unserer eigenen Wahrnehmung widerspiegelt.
Die flüchtigen Momente der Natur einfangen
Der Film scheut sich nicht vor den Herausforderungen, die das Filmen von Wildtieren mit Super 8 mit sich bringt. Einige der anspruchsvolleren Aufnahmen von kleinen, schnellen oder schwer fassbaren Kreaturen sind schwer zu erkennen. Allerdings vermeidet der Film klugerweise, dies als Einschränkung darzustellen. Vielmehr legt es nahe, dass der Wert eines Tieres nicht durch einen flüchtigen Blick gemindert wird – und unterstreicht, wie wichtig es ist, die subtilen, oft unerwarteten Momente der Natur wertzuschätzen. Eine Sequenz mit wandernden Gänsen wirkt aufgrund ihres aufwändigen Aufbaus etwas gekünstelt und steht im Gegensatz zum ansonsten naturalistischen Ansatz des Films. Der Regisseur schlägt eine intimere Verbindung vor: „Mit einer Plastiktüte über dem Kopf in einer Pfütze im Regen liegen und eine Schnecke filmen.“
Ein Perspektivwechsel in Bezug auf Naturfilme mit großem Budget
Traditionelle Naturdokumentationen streben danach, bisher ungesehene Welten zu enthüllen, indem sie fortschrittliche Technologie einsetzen, um die Natur in außergewöhnlichen Details darzustellen. Während dieses Streben bewundernswert ist, wirft der Film eine zum Nachdenken anregende Frage auf: Könnten die Zuschauer gegenüber diesen sorgfältig gefertigten Brillen desensibilisiert werden? Super Nature bietet eine erfrischende Alternative, bei der Authentizität und Intimität Vorrang vor technischer Perfektion haben.
Persönliche Geschichten und vielfältige Stimmen
Strukturell verknüpft der Film die Bilder der natürlichen Welt mit den Geschichten hinter dem Filmmaterial. Jede Sequenz – von Flamingos bis hin zu Korallen – wird von einem Off-Kommentar des Filmemachers begleitet, der seine persönliche Verbindung zum Thema mitteilt. Der Film ist voller bezaubernder Beobachtungen, wie der Beschreibung der Papageientauchergeräusche („clownhaft, als trügen sie übergroße Hausschuhe“) und der Erkennung ihrer „liebsten Augen“. Die Erfahrungsberichte sind sowohl inspirierend als auch vielfältig und spiegeln die unterschiedlichen Beweggründe für die Erkundung der Natur wider. Einige Filmemacher haben sich für Super 8 entschieden, um nach schwierigen Zeiten ihre Umgebung neu zu entdecken, während andere ernsthafte ökologische Bedenken äußern.
Die Reise des Filmemachers
Der Film folgt auch Sayers‘ eigener Reise, während er sein ehrgeiziges Projekt verwirklicht. Der Erzählbogen entfaltet sich in drei Akten: der ersten Vision des Regisseurs, einer Zeit der Entmutigung, die durch Aufnahmen von Umweltkrisen angeheizt wird, und schließlich einer Wiederherstellung der Hoffnung, inspiriert durch die spielerischen Possen einer Robbe. Obwohl die gesamte Handlung einigermaßen vorhersehbar ist, bietet sie einen hilfreichen Rahmen, um die spontaneren Momente des Films zu würdigen.
Simons Empfehlungen
Simon empfiehlt außerdem diese ergänzenden Werke:
- Film: The Silent World von Jacques Cousteau und Louis Malle – ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 1956, der unser Verständnis der Meerestiefen durch Farbkinematographie revolutionierte.
- TV: Walking With Dinosaurs von Tim Haines – eine BBC-Dokumentation aus dem Jahr 1999, die wissenschaftliche Genauigkeit mit dramatischem Geschichtenerzählen kombinierte, um das Mesozoikum zum Leben zu erwecken.
Super Nature ist mehr als nur eine „grüne“ Dokumentation; Es ist eine Hommage an die Natur und die menschliche Verbindung zu ihr, die durch den einzigartigen Charme eines Vintage-Films zum Ausdruck kommt. Der unverwechselbare visuelle Stil und die vielfältigen Perspektiven des Films bieten ein fesselndes und unvorhersehbares Seherlebnis, das das konventionelle Naturfilmschaffen in Frage stellt und uns daran erinnert, Schönheit im Unerwarteten zu finden. Es ist ein Beweis für die Kraft einfacher Technologie und den anhaltenden Reiz, die Welt durch eine andere Linse zu sehen
