Europas Ozean: Sinkendes Eis könnte Zutaten für Leben liefern

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Jupitermond Europa birgt unter seiner eisigen Hülle einen riesigen, verborgenen Ozean – ein Hauptkandidat bei der Suche nach außerirdischem Leben. Neue Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass ein bisher übersehener Prozess trotz der extremen Bedingungen wichtige chemische Bausteine ​​von der Oberfläche in diesen Ozean transportieren könnte.

Die Herausforderung der Bewohnbarkeit

Der Ozean Europas, von dem man annimmt, dass er doppelt so viel Wasser enthält wie der der Erde, ist vor Sonnenlicht geschützt und hat keinen freien Sauerstoff. Jedes Leben dort würde wahrscheinlich auf chemische Energie angewiesen sein, aber die Bereitstellung der notwendigen Zutaten durch die dicke Eishülle war ein großes wissenschaftliches Rätsel. Oberflächenoxidantien, die durch die intensive Strahlung des Jupiter entstehen, sind der Schlüssel zu dieser Energie, aber wie sie in den Ozean gelangen, war unklar.

Ein langsamer Abstieg: Untergang der Lithosphäre

Forscher der Washington State University vermuten, dass sinkendes Eis die Antwort sein könnte. Dieser als lithosphärisches Untergang bezeichnete Prozess ähnelt dem, was auf der Erde geschieht, wo Teile der Planetenkruste in den Erdmantel versinken. Auf Europa werden Taschen aus salzreichem Eis dichter und schwächer als das umgebende Eis, was dazu führt, dass sie sich ablösen und langsam durch die Schale absinken.

„Dies ist eine neuartige Idee in der Planetenwissenschaft … und ein gutes Zeichen für die Aussichten auf außerirdisches Leben in seinem Ozean.“ – Austin Green, Virginia Tech

So funktioniert es: Computermodellierung verrät Abstiegszeiten

Mithilfe von Computermodellen simulierte das Team die Eishülle Europas (ungefähr 30 km dick) unter verschiedenen Bedingungen. In allen Szenarien sank das Oberflächenmaterial in Richtung der Basis der Schale ab. Der Absinkvorgang kann je nach Struktur und Schaden des Eises zwischen 30.000 und 10 Millionen Jahren dauern. Selbst mäßig geschwächtes Eis ermöglichte einen relativ schnellen Transport von Oberflächenmaterialien.

Warum das wichtig ist: Ein realistischer Weg für lebenserhaltende Chemikalien

Die Studie legt nahe, dass selbst eine geringe Schwächung des europäischen Eises diesen Absinkprozess auslösen könnte, was ihn zu einer effizienten Möglichkeit macht, Oxidationsmittel in den Ozean zu transportieren. Dadurch wird ein großes Hindernis für die Bewohnbarkeit beseitigt und die Wahrscheinlichkeit erhöht, auf Europa Leben zu finden.

Nächste Schritte: Die bevorstehende Ankunft von Europa Clipper

Die NASA-Mission Europa Clipper, die 2024 startet, wird 2030 am Jupiter ankommen. Sie wird Dutzende nahe Vorbeiflüge durchführen, um die Tiefe des Ozeans zu ermitteln und die potenzielle Bewohnbarkeit Europas weiter zu bewerten. Die kommenden Daten werden von entscheidender Bedeutung sein, um zu bestätigen, ob dieser sinkende Eismechanismus tatsächlich eine Rolle spielt.

Fazit: Europas Ozean erhält möglicherweise durch einen langsamen, aber anhaltenden geologischen Prozess eine stetige Versorgung mit lebenserhaltenden Chemikalien. Diese Entdeckung trägt zum wachsenden Optimismus hinsichtlich des Potenzials für außerirdisches Leben auf diesem eisigen Mond bei und unterstreicht die Bedeutung bevorstehender Missionen wie Europa Clipper.