Über unsere Verhältnisse leben: Studie warnt davor, dass die Erdbevölkerung die nachhaltigen Grenzen überschritten hat

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Eine neue Studie unter der Leitung von Forschern der Flinders University legt nahe, dass die Menschheit derzeit weit über die natürliche Fähigkeit des Planeten hinausgeht, uns zu ernähren. Während der technologische Fortschritt es der menschlichen Bevölkerung ermöglicht hat, stark zu wachsen, warnt die Studie, dass wir durch die Überausbeutung endlicher Ressourcen faktisch „Anleihen“ aus der Zukunft machen.

Tragfähigkeit verstehen

Um die Schwere dieser Ergebnisse zu verstehen, ist es wichtig, die Tragfähigkeit zu definieren. In der Ökologie bezeichnet dieser Begriff die maximale Anzahl von Individuen einer Art, die eine Umwelt langfristig ernähren kann, ohne dass die zum Überleben notwendigen Ressourcen erschöpft werden.

Das Konzept weist eine interessante historische Parallele auf: Es hat seinen Ursprung in der Schifffahrtsindustrie des 19. Jahrhunderts. Als Schiffe von Segelschiffen auf Kohleschiffe umstiegen, wurde die „Tragfähigkeit“ verwendet, um zu berechnen, wie viel Fracht ein Schiff aufnehmen konnte, ohne auf Kohle, Wasser und Besatzung zu verzichten, die für den eigentlichen Antrieb des Schiffes erforderlich waren.

Heute steht die Menschheit vor einem ähnlichen Ungleichgewicht. Wir haben fossile Brennstoffe genutzt, um unsere Tragfähigkeit künstlich zu erhöhen und so natürliche Grenzen zu umgehen – allerdings mit erheblichen Kosten für die Stabilität des Planeten.

Die Kluft zwischen Realität und Nachhaltigkeit

Das Forschungsteam um Corey Bradshaw unterscheidet zwei entscheidende Kennzahlen:
1. Maximale Tragfähigkeit: Die theoretische absolute Grenze für Menschen, die die Erde selbst unter harten Bedingungen wie Hungersnot, Krankheit und Konflikten tragen könnte. Dies wird auf ungefähr 12 Milliarden Menschen geschätzt.
2. Optimale Tragfähigkeit: Die Bevölkerungsgröße, die aufrechterhalten werden kann, während gleichzeitig ein angemessener Lebensstandard und die Erhaltung der ökologischen Gesundheit aufrechterhalten werden können. Diese Zahl ist viel niedriger: 2,5 Milliarden Menschen.

Da die Weltbevölkerung derzeit etwa 8,3 Milliarden beträgt, liegen wir bereits fast 6 Milliarden Menschen über der „optimalen“ Schwelle.

Der „Puffer“ für fossile Brennstoffe und seine Folgen

Die Studie zeigt einen gefährlichen Trend auf: Moderne Volkswirtschaften basieren auf der Annahme eines ununterbrochenen Wachstums. Dieses Wachstum wurde durch fossile Brennstoffe vorangetrieben, die als temporäre Brücke fungieren und die Energie liefern, die für die intensive Landwirtschaft (z. B. synthetische Düngemittel) und den globalen Transport benötigt wird.

Allerdings führt diese „Brücke“ zu schweren ökologischen Schulden. Die Forscher stellen mehrere kritische Warnzeichen fest:
Ressourcenverknappung: Die Vereinten Nationen haben kürzlich vor einem globalen „Wasserbankrott“ gewarnt.
Verlust der biologischen Vielfalt: Die Tierpopulationen brechen zusammen, da sie darum kämpfen, mit den Menschen um schwindende Lebensräume und Nahrungsquellen zu konkurrieren.
Klimainstabilität: Genau die Kraftstoffe, die zur Umgehung natürlicher Grenzen eingesetzt werden, treiben den Klimawandel voran, der die Ökosysteme, auf die wir angewiesen sind, stört.

Interessanterweise legt die Studie nahe, dass die Gesamtbevölkerungsgröße ein wichtigerer Treiber für steigende globale Temperaturen und ökologische Fußabdrücke ist als der Anstieg des individuellen Pro-Kopf-Verbrauchs.

Blick nach vorn: Ein enger werdendes Fenster

Während die Daten zeigen, dass sich das Bevölkerungswachstum in den 1960er-Jahren zu verlangsamen begann und in das eintrat, was Forscher als „negative demografische Phase“ bezeichnen, steigt die Gesamtzahl der Menschen weiter an. Aktuelle Modelle gehen davon aus, dass die Weltbevölkerung Ende der 2060er oder 2070er Jahre ihren Höhepunkt zwischen 11,7 und 12,4 Milliarden erreichen wird.

Die Forscher betonen, dass die Situation zwar schlimm, aber noch nicht unumkehrbar sei. Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Erde ohne eine grundlegende Änderung in der Art und Weise, wie wir mit Land, Wasser, Energie und Nahrungsmitteln umgehen, weder gegenwärtige noch zukünftige Bevölkerungen ernähren kann.

„Die Erde kann die zukünftige oder sogar die heutige menschliche Bevölkerung nicht ohne eine umfassende Überarbeitung der soziokulturellen Praktiken ernähren“, warnen die Autoren.

Fazit

Die Studie ist eine deutliche Erinnerung daran, dass die menschliche Technologie die biologischen Grenzen des Planeten vorübergehend verdeckt, sie aber nicht beseitigt hat. Um eine systemische Instabilität zu vermeiden, muss die Weltgemeinschaft zu kleineren Bevölkerungsgruppen und deutlich niedrigeren Verbrauchsniveaus übergehen, um sich an die Regenerationsfähigkeit der Erde anzupassen.