Mütterliche Gene stehen in wegweisender Studie im Zusammenhang mit Schwangerschaftsverlust

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Eine bahnbrechende neue Studie hat erstmals spezifische genetische Variationen bei Müttern identifiziert, die direkt mit einem erhöhten Risiko für einen Schwangerschaftsverlust aufgrund von Chromosomenanomalien korrelieren. Diese Forschung stellt einen bedeutenden Fortschritt beim Verständnis dar, warum so viele Schwangerschaften scheitern, ein Phänomen, das eine große Anzahl von Paaren weltweit betrifft.

Die Wissenschaft hinter frühem Schwangerschaftsverlust

Ungefähr die Hälfte aller Fehlgeburten im ersten Trimester wird durch Aneuploidie verursacht, bei der Zellen eine abnormale Anzahl von Chromosomen enthalten. Dies ist ein natürliches Phänomen, dessen Häufigkeit jedoch mit zunehmendem Alter der Mutter zunimmt. Mit der Zeit kommt es in Eiern zu mehr Chromosomenfehlern, wodurch ältere Mütter statistisch gesehen anfälliger dafür sind, Embryonen mit diesen Anomalien zu zeugen. Diese Anomalien können bei Kindern zu Unfruchtbarkeit, Fehlgeburten oder schweren genetischen Störungen führen.

Bisher waren die einzelnen genetischen Faktoren, die zu diesem Risiko beitragen, weitgehend unbekannt – eine kritische Lücke in der Reproduktionswissenschaft. Die neue Studie unter der Leitung von Rajiv McCoy von der Johns Hopkins University geht diesen blinden Fleck direkt an.

Wie die Studie durchgeführt wurde

Forscher analysierten genetische Daten von über 139.000 Embryonen, die durch In-vitro-Fertilisation (IVF) entstanden sind. Der Datensatz umfasste über 22.850 Mütter im Alter von 20 bis 56 Jahren mit einem Durchschnittsalter von 36 Jahren – dem Punkt, an dem das Aneuploidie-Risiko stark ansteigt. Mithilfe von genomweiten Assoziationsstudien ermittelten sie statistische Zusammenhänge zwischen mütterlichen Genvarianten und der Häufigkeit aneuploider Embryonen. Sie analysierten auch die Genexpression (Transkriptom), um herauszufinden, welche Gene aktiv zu dem Problem beitrugen.

Wichtige genetische Erkenntnisse

Der stärkste Zusammenhang wurde mit Variationen im SMC1B -Gen gefunden, das für ein Protein verantwortlich ist, das Chromosomen während der Zellteilung zusammenhält. Ein weiteres Schlüsselgen, C14orf39, spielt eine entscheidende Rolle bei Chromosomeninteraktionen.

Diese Studie beleuchtet auch die Crossover-Rekombination, bei der Chromosomen während der Ei-/Spermabildung DNA austauschen. Die Forscher fanden heraus, dass niedrigere Crossover-Zahlen mit Aneuploidie korrelieren, was frühere Erkenntnisse über fehlerhafte Chromosomentrennung bestätigt. Entscheidend war, dass sie herausfanden, dass die gleiche genetische Maschinerie, die die Crossover-Rekombination steuert, auch das Aneuploidierisiko beeinflusst – was bedeutet, dass diese Prozesse eng miteinander verflochten sind.

„Die gleiche Maschinerie, die die Rekombination beeinflusst, ist die Maschinerie, die das Risiko dieser Aneuploidien beeinflusst“, erklärte McCoy.

Warum das wichtig ist

Schwangerschaftsverlust kommt weitaus häufiger vor, als den meisten bewusst ist. Während 10–20 % der klinisch anerkannten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt enden, schätzen Forscher, dass bis zur Hälfte aller Empfängnisse vor der Geburt verloren gehen, oft schon sehr früh. Die Identifizierung der genetischen Grundlage dieser Verluste ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zu möglichen Interventionen.

Obwohl diese Erkenntnisse noch nicht für die klinische Anwendung bereit sind – jede genetische Variante erklärt nur einen kleinen Teil des Gesamtrisikos –, liefern sie wertvolle Hinweise für zukünftige Forschung. Diese Arbeit könnte letztendlich zu genaueren Risikobewertungen und schließlich zu Therapien zur Reduzierung von Schwangerschaftsverlusten führen.

Die Implikationen der Studie gehen über die klinische Anwendung hinaus. Das Verständnis der genetischen Wurzeln des frühen Schwangerschaftsverlusts bietet tiefere Einblicke in die menschliche Fortpflanzung, die Mechanismen der genetischen Vererbung und die grundlegende Biologie, die die Lebensfähigkeit künftiger Generationen prägt.