Weltraumwetter könnte erklären, warum wir noch nichts von Außerirdischen gehört haben

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Seit Jahrzehnten durchsucht die Search for Extraterrestrial Intelligence (SETI) den Kosmos nach Anzeichen außerirdischen Lebens, doch im Universum bleibt es unheimlich ruhig. Eine neue Studie legt nahe, dass Sternaktivität – oder „Weltraumwetter“ – potenzielle außerirdische Übertragungen stören könnte, sodass sie für unsere Instrumente nicht nachweisbar sind. Das bedeutet, dass selbst wenn andere Zivilisationen Signale senden, sie möglicherweise von der chaotischen elektromagnetischen Umgebung um ihre Sterne verdeckt werden.

Das Problem mit stellaren Interferenzen

Sterne sind keine statischen Leuchtfeuer; Sie brechen mit Flares und koronalen Massenauswürfen (Coronal Mass Ejections, CMEs) aus, die große Mengen an Plasma und Elektronen in den Weltraum freisetzen. Diese geladenen Teilchen richten verheerende Auswirkungen auf Funksignale, insbesondere auf die schmalbandigen Frequenzen, die SETI-Forscher bevorzugen. Wenn eine Radiowelle auf Plasma trifft, biegt sie sich und breitet sich aus, wodurch das Signal geschwächt wird und es schwieriger wird, es vom Hintergrundrauschen zu unterscheiden.

Wissenschaftler berücksichtigen bereits Störungen durch interstellares Gas, aber die Auswirkungen des Weltraumwetters um andere Sterne wurden bisher nicht quantifiziert. Die Autoren der Studie, Vishal Gajjar und Grayce Brown vom SETI-Institut, wollten herausfinden, wie stark die Sternaktivität außerirdische Signale verzerren könnte, bevor sie die Erde erreichen.

Simulation der Stille

Zu diesem Zweck analysierten die Forscher Funksignale zwischen der Erde und Raumfahrzeugen in unserem Sonnensystem, um zu messen, wie sich Sonneneruptionen und CMEs auf die Übertragung auswirken. Mithilfe dieser Daten simulierten sie dann, wie sich das Weltraumwetter auf Signale von sonnenähnlichen Sternen und Roten Zwergen (dem häufigsten Sterntyp in unserer Galaxie) auswirken würde.

Die Ergebnisse waren ernüchternd. Bis zu 70 % der Sterne könnten Signale um mehr als ein Hertz und 30 % um mehr als zehn Hertz verbreitern. Ein leistungsstarker CME könnte sogar ein Schmalbandsignal über 1.000 Hertz verwischen und es so effektiv aus der Erkennung ausschließen.

Wir stimmen unsere Ohren auf den Kosmos ab

Die Implikation ist, dass wir möglicherweise außerirdische Signale herausfiltern, ohne es überhaupt zu wissen. Dieses Problem ist jedoch nicht unlösbar. So wie wir interstellare Verzerrungen korrigieren, können wir unsere Suchalgorithmen anpassen, um stellare Interferenzen zu berücksichtigen.

Die Autoren der Studie argumentieren, dass das Universum möglicherweise überhaupt nicht still ist, sondern vielmehr laut mit Übertragungen, die uns entgangen sind. Der Mangel an erkannten Signalen könnte auf unsere eigenen Einschränkungen zurückzuführen sein, nicht unbedingt auf das Fehlen außerirdischer Zivilisationen.

Nach 66 Jahren der Suche muss SETI die Existenz außerirdischer Technologie immer noch bestätigen. Die neue Studie legt nahe, dass das Weltraumwetter ein Schlüsselelement dieses Puzzles sein könnte und dass das Verständnis dieser Störung entscheidend sein könnte, um endlich die „Große Stille“ zu brechen.