Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass selbst während der extremsten Eiszeit in der Erdgeschichte – der Sturtian-Eiszeit (vor 717–658 Millionen Jahren) – das Klima auf dem Planeten nicht vollständig gefroren war. Wissenschaftler, die alte Gesteine in Schottland untersuchen, haben Hinweise auf jährliche, dekadische und hundertjährige Klimazyklen gefunden, die trotz der nahezu vollständigen globalen Eisbedeckung fortbestehen. Das bedeutet, dass bekannte Muster wie Jahreszeiten, Sonnenzyklen und sogar El-Niño-ähnliche Schwankungen in einer Welt, in der der größte Teil des Ozeans gefroren war, immer noch wirksam waren.
Der Beweis: Geschichtete Steine als Zeitkapseln
Die von Professor Thomas Gernon von der University of Southampton geleitete Studie untersuchte 2.600 einzelne Sedimentschichten aus der Port-Askaig-Formation auf den Garvellach-Inseln. Jede Schicht stellt ein einzelnes Jahr der Ablagerung dar und schafft so effektiv eine detaillierte historische Aufzeichnung der Klimabedingungen. Diese Gesteine sind bemerkenswert, weil sie die gesamte Bandbreite der Klimarhythmen bewahren, die wir heute kennen: Jahreszeiten, Sonnenzyklen und zwischenjährliche Schwankungen. Die Forscher entdeckten diese Zyklen durch mikroskopische Analyse der Gesteinsschichten, die wahrscheinlich aus saisonalen Gefrier-Tau-Zyklen unter der Eisdecke entstanden sind.
Warum das wichtig ist: Unser Verständnis von extremem Klima in Frage stellen
Diese Entdeckung ist bedeutsam, weil sie die lange gehegte Annahme in Frage stellt, dass die Klimavariabilität während der Schneeball-Erde unterdrückt wurde. Bisher war nicht bekannt, ob solche Schwingungen überhaupt auf einem vollständig gefrorenen Planeten existieren könnten. Die Tatsache, dass dies der Fall war, deutet darauf hin, dass selbst kleine Öffnungen in der Eisdecke die Wiederentstehung bekannter Klimamodi ermöglichen könnten. Klimasimulationen bestätigen dies: Bereits 15 % der Meeresoberfläche, die eisfrei bleiben, könnten ähnliche Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre und Ozean auslösen, wie wir sie heute beobachten.
Das „Slushball“-Szenario: Eine dynamischere Schneeball-Erde?
Die Ergebnisse stützen die Idee, dass die Schneeballerde kein statischer, vollständig gefrorener Zustand war. Stattdessen wurde es wahrscheinlich von Perioden unterbrochen, in denen kleine Flecken offenen Ozeans entstanden, wodurch die Klimaschwankungen bestehen blieben. Diese Perioden, manchmal auch „Slushball“- oder „Wassergürtel“-Zustände genannt, legen nahe, dass der Planet selbst während seines tiefsten Frosts dynamischer war als bisher angenommen.
„Diese Gesteine sind außergewöhnlich“, sagte Dr. Chloe Griffin, Co-Autorin der Studie. „Sie fungieren wie ein natürlicher Datenlogger und zeichnen die jährlichen Klimaveränderungen während einer der kältesten Perioden in der Erdgeschichte auf.“
Zusammenfassend zeigt diese Forschung, dass das Klimasystem der Erde eine inhärente Tendenz zur Schwingung aufweist, selbst unter extremsten Bedingungen. Die Entdeckung von Klimazyklen innerhalb der Schneeballerde legt nahe, dass selbst auf einem teilweise gefrorenen Planeten bekannte Wettermuster auftreten können, was unser Verständnis über die Funktionsweise von Eiszeiten verändert.
Quelle: Griffin, C., Fu, M. & Gernon, T. (2026). Während der kryogenen Vereisung kam es zwischenjährliche bis multidekadische Klimaschwankungen. Earth and Planetary Science Letters, 679, 119891. https://doi.org/10.1016/j.epsl.2026.119891
