Parkinson-Krankheit steht im Zusammenhang mit neu identifiziertem Gehirnnetzwerk

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Bahnbrechende Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die Parkinson-Krankheit möglicherweise auf Funktionsstörungen innerhalb eines größeren Gehirnnetzwerks zurückzuführen ist und nicht nur auf einen Dopaminverlust in den Basalganglien. Ein kürzlich identifizierter Schaltkreis, das sogenannte somato-kognitive Aktionsnetzwerk (SCAN), scheint bei Parkinson-Patienten hyperaktiv zu sein und könnte der Schlüssel zu wirksameren Behandlungen sein.

Das SCAN-Netzwerk: Ein tieferes Verständnis von Parkinson

Jahrzehntelang wurde Parkinson als eine Krankheit verstanden, die hauptsächlich die motorische Kontrolle aufgrund des Verlusts dopaminproduzierender Neuronen beeinträchtigt. Allerdings stellt diese neue Forschung diese Ansicht in Frage. Man geht heute davon aus, dass das SCAN-Netzwerk, das erstmals im Jahr 2023 beschrieben wurde, der zentrale Schaltkreis ist, der die Parkinson-Symptome auslöst.

Forscher analysierten Gehirnscans von über 850 Personen und stellten bei Parkinson-Patienten eine signifikante Hyperkonnektivität zwischen dem SCAN und anderen Gehirnregionen fest. Dieses Netzwerk verbindet sechs wichtige subkortikale Bereiche, die an Bewegung, Kognition und Körperfunktionen beteiligt sind.

Gezielte Stimulation zeigt vielversprechende Ergebnisse

In einer kleineren Studie mit 36 Patienten erlebten diejenigen, die eine Hirnstimulation erhielten, die direkt auf den SCAN-Schaltkreis abzielte, eine schnellere und stärkere Symptomlinderung im Vergleich zu denen, die in benachbarten Regionen stimuliert wurden. Die Ergebnisse waren frappierend:

  • 50 % der Patienten mit SCAN-gezielter Stimulation konnten eine Verbesserung der Symptome feststellen.
  • Nur 18 % der Kontrollgruppe (an anderer Stelle stimuliert) erlebten eine Linderung – ein 2,5-facher Unterschied.

„Diese Arbeit zeigt, dass es sich bei Parkinson um eine SCAN-Störung handelt“, sagt der Neurologe Nico Dosenbach, Mitautor der Studie. „Wenn Sie den SCAN gezielt einsetzen, können Sie Parkinson erfolgreicher behandeln als bisher.“

Auswirkungen auf die Behandlung und den Krankheitsverlauf

Die Auswirkungen gehen über die Symptombehandlung hinaus. Forscher vermuten, dass die Modulation der Aktivität innerhalb des SCAN möglicherweise das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen oder sogar umkehren könnte und nicht nur Symptome maskieren.

Allerdings sind größere, multizentrische Studien erforderlich, um diese Ergebnisse zu validieren und das therapeutische Potenzial von SCAN-zielgerichteten Behandlungen vollständig zu erforschen. Bis zur Diagnose der Parkinson-Krankheit können Patienten bereits bis zu 80 % der Dopamin-produzierenden Neuronen verloren haben. Wenn der SCAN tatsächlich von zentraler Bedeutung für die Krankheit ist, könnte ein früheres Eingreifen von entscheidender Bedeutung sein.

Ein Paradigmenwechsel in der Parkinson-Forschung

Die Studie verlagert den Fokus vom Dopaminverlust auf eine umfassendere Netzwerkstörung. Der leitende Autor Hesheng Liu betont, dass Parkinson möglicherweise auf einer „viel umfassenderen Netzwerkstörung“ beruht. Die Hyperkonnektivität des SCAN stört nicht nur die Bewegung, sondern auch kognitive und körperliche Funktionen, was auf eine stärker systemische Auswirkung als bisher angenommen schließen lässt.

Diese Forschung könnte unser Verständnis von Parkinson verändern und den Weg für personalisiertere und wirksamere Behandlungen ebnen, indem sie auf die zugrunde liegenden Netzwerkanomalien abzielen, anstatt sich nur mit dem Dopaminmangel zu befassen.